remote desktop: Lösungen im Vergleich
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Um über ein Netzwerk auf einen anderen Bildschirm zuzugreifen brauchen wir eine remote-desktop-lösung. Davon gibt es sehr viele und ein Vergleich nimmt relativ viel Zeit in Anspruch, weil alle leicht unterschiedlich aufgerufen werden, verschieden weit entwickelt sind und unterschiedlich viel können. Ich habe mich hier bemüht Minimalsetups zusammen zu stellen, damit man das bei Bedarf schnell zur Hand hat, weil je nach Problem mal die eine und mal die andere Lösung überlegen ist. Dazu einige Hinweise aus der Praxiserfahrung: spice ist besonders schnell in Verbindung mit einem unter KVM/Qemu laufenden Windows TigerVNC scheint als einziges schnell genug, um über ein LAN zum Beispiel Blender remote laufen zu lassen und die 3D-Beschleunigung der Grafikkarte nutzen zu können (cycles). x11vnc ist schnell installiert und eingerichtet, braucht nicht unbedingt ein Passwort und kann auch einzelne Fenster remote freigeben xrdp ist auch leicht einzurichten und ein Client ist bei Windows gleich mit dabei, sodass man direkt von Windows auf seinen XServer connecten kann. Die Sicherheit ist ein Problem. Videos abspielen oder Blender nutzen klappt nicht.

Teil 1: Die Server #

Schnellanleitung zur Einrichtung verschiedener Server zum Testen.

vino #

Die vermutlich einfachste Variante- Aber leider nicht besonders schnell und bislang schlecht dokumentiert.

# server
/usr/libexec/vino-server
# client
remote-viewer vnc://[:port]

http://live.gnome.org/Vino

x11vnc #

Auch eine bewährte Lösung und auch einfach einzurichten. Unterstützt das Teilen eines einzelnen Fensters anstelle des ganzen Desktops. Schneller als vino.

# server
# x11vnc -storepasswd
x11vnc # -usepw
# client
remote-viewer vnc://[:port]

http://sourceforge.net/projects/libvncserver/

TigerVNC #

Die aktuelle Standardlösung mit ordentlicher Geschwindigkeit.

# server
# Einrichtung eines Passworts (einmalig und in allen Fällen nötig)
vncpasswd

# [entweder]
x0vncserver ~/.vnc/passwd
# um auf den aktuell laufenden XServer zu verbinden

# [oder]
vncserver :4
# um einen neuen XServer auf DISPLAY=:4 zu starten
# client
remote-viewer vnc://[:port]
vncviewer [:port]
# Mit systemd beim Systemstart automatisch starten
cp /lib/systemd/system/vncserver@.service /lib/systemd/system/vncserver@:4.service
sed -i "s//$USER/" vncserver@:4.service # ersetzt  durch einen Benutzernamen
systemctl start vncserver@:4.service
systemctl enable vncserver@:4.service
# Teilen der Zwischenablage mit dem Client (Befehl im Client eingeben):
setsid vncconfig -nowin

http://sourceforge.net/projects/tigervnc/

xrdp #

Damit man sich mit den Boardmitteln von Windows auf ein Linuxsystem mit XServer verbinden kann

# server
xrdp-sesman &
xrdp
killall -9 xrdp xrdp-sesman; rm /var/run/xrdp*
# client
rdesktop <server>[:port]
# Mit systemd beim Systemstart automatisch starten
#
# aktivieren:
systemctl start xrdp.service
systemctl enable xrdp.service
# deaktivieren:
systemctl stop xrdp.service
systemctl disable xrdp.service

http://www.xrdp.org/

Xspice #

Die Lösung ist die jüngste, hat auch noch ein paar Kinderkrankheiten, zum Beispiel funktioniert es nicht ohne die Option --disable-ticketing, und es fehlen Features wie die Darstellung von Videos. Die Geschwindigkeit ist aber bislang vielversprechend.

# server
Xspice --port 9999 --disable-ticketing :3.0 &
DISPLAY=:3 ibus-daemon &
DISPLAY=:3 openbox &
DISPLAY=:3 terminal &

http://spice-space.org/download.html

nxserver #

Das Teil wird von einem Unternehmen entwickelt und open source bereit gestellt. Es gibt nicht kommerzielle Forks: Die Clientsoftware “OpenNX” und dem “FreeNX-Server”. Beide sind nicht zu empfehlen, weil einerseits nicht alle Features aus der kommerziellen Version enthalten sind und diese teilweise fürs Debugging nötig wären, andererseits die Dokumentation schlecht bis nicht vorhanden ist und zuletzt Änderungen in der Benutzeranmeldung dazu geführt haben, dass viele Tutorials unbrauchbar geworden sind. Nach mehreren Stunden intensiven Lesens hatte ich das Teil noch immer nicht am Laufen und da vncserver so gut funktioniert, habe ich es jetzt aufgegeben.

Teil 2: Client-Software #

Verschiedene Klienten zum Testen

remote-viewer #

Pro: Funktioniert sowohl mit vnc, als auch mit spice, unterstützt mehrere Monitore mit xrandr und hat in der Benutzerführung Ähnlichkeit mit dem Microsoft-Produkt. Contra: Bereitet mir in Verbindung mit Spice bislang Probleme, weil beim Scrollen die Fenster flackern.

# client
remote-viewer -f auto-conf vnc://192.168.178.25:5900
remote-viewer -f auto-conf spice://192.168.178.25:5930

http://virt-manager.org

vncviewer #

Scheint zusammen mit TigerVNC die schnellste Lösung sein, wenn man auf einem entfernten X-Server mit 3D-Software arbeiten will

# client
vncviewer -fullscreen 192.168.178.25:5900

http://tigervnc.org/

spicec und spicy #

Der Support für mehrere Monitore fehlt insofern, dass dann mehrere Fenster aufgehen und sich erstmal überlappen. Man muss sie dann manuell zurechtschieben, weil es keine Kommandozeilenoption dazu gibt. Ansonsten funktioniert diese Lösung bei mir mit Spice am besten.

# client
spicy -h localhost -p 5930 -f
spicec -h localhost -p 5930 -f

http://spice-space.org/

rdesktop #

Um sich auf einen Windowsrechner mit RDP zu verbinden gibt es

# client
rdesktop 192.168.178.25:3389

http://www.rdesktop.org/

xfreerdp #

Für das RDP-Protokoll gibt es außerdem

# client
xfreerdp 192.168.178.25:3389

http://www.freerdp.com/

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